Presseveröffentlichung                                                                                  Backnanger Kreiszeitung vom 24. Oktober 2010
Die Ausbürgerung kam nach dem Giftgasanschlag
Die Autorin und Filmregisseurin Freya Klier berichtete im Berufsschulzentrum Backnang über ihr Leben und die Zustände in der DDR

Anlässlich der Frederick-Woche besuchte Freya Klier, Autorin und Regisseurin aus der ehemaligen DDR, das Berufliche Schulzentrum in Backnang, um unter dem Titel "(Über)leben in einer Diktatur" über ihr Schicksal in der DDR und ihre persönlichen Erfahrungen mit der ehemals dort herrschenden Regierung zu berichten.
 
Michael Wolf, Michael Katzenwadel, Andreas Himmler, TG 13b, Gewerbliche Schule Backnang, schrieben darüber einen Bericht.

 

  
BACKNANG. Eröffnet wurde die Veranstaltung von Reiner Immik, dem stellvertretenden Schulleiter der Gewerblichen Schule Backnang.
 
Er appellierte an die 200 Schüler, bei dieser packenden Lebensgeschichte gut zuzuhören,
da ein Großteil der Anwesenden zur ersten Generation gehöre, die nach der Wende auf gewachsen sei und deshalb kaum auf Informationen aus erster Hand zurückgreifen könne.

Freya Klier wurde 1950 in Dresden geboren und gilt als eine der Mitbegründerinnen der Friedensbewegung in der DDR.
 
Sie gab dem jugendlichen Publikum einen Abriss über die 40jährige Geschichte der DDR und veranschaulichte diese mit eigenen Erfahrungen.

In den Fünfzigerjahren musste sie schon früh lernen, dass sie sich der DDR-Diktatur unterzuordnen hatte.

So musste sie bereits im Alter von drei Jahren in eine sozialistische Erziehungsanstalt.

 


Was die Anführer öffentlich sagten, bezeichnete sie als "verlogenen Mist": Freya Klier in Backnang. Foto: E. Layher

 

Dies geschah, da ihre Eltern durch einen Konflikt mit einem Polizisten verhaftet wurden,
woraufhin Kliers Vater in einem Schnellprozess,
ohne Zeugenbefragung und ohne schriftliches Urteil,
zu einem Jahr Zwangsarbeit verurteilt wurde.
  
Freya Klier bekam in der Anstalt die totalitäre staatlich verordnete Erziehung spüren und wurde häufig auch von Lehrern und "Erziehern" geschlagen.
  
Darüber hinaus herrschte eine streng organisierte Tagesordnung, und den Kindern wurde eingeredet, dass deren Eltern Feinde des Friedens seien.
 
Diese traumatische Zeit sollte jedoch nicht Kliers einziger direkter Kontakt mit der sozialistischen Ideologie sein, denn auch zu Schulzeiten musste sie sich weiterhin mit dem sozialistischen Gedankengut beschäftigen. Dies war unumgänglich, da jegliche Freizeitaktivität für Kinder durch die sozialistischen Pionierverbände organisiert wurde. Freya Klier verglich das DDR-Regime mit der ehemaligen nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland und bezeichnete die geistige Manipulation durch die Anführer der Deutschen Demokratischen Republik als "verlogenen Mist". Als Nächstes unterstrich Freya Klier die Bedeutung der Sechzigerjahre für die ostdeutsche Bevölkerung, welche, um die große Flüchtlingswelle zu stoppen, vom Mauerbau geprägt wurde. Trotz der vielen erlittenen Ungerechtigkeiten wurde ihr Leben auch weiterhin von staatlich verursachtem Leid und Verhaftungen ihrer Mitmenschen bestimmt.
 
So wurde ihr Bruder von der Polizei verhaftet und misshandelt, da er verbotene Liedtexte westlicher Interpreten besaß und sie mit Freunden tauschte. Anschließend in die Psychiatrie weggesperrt und ohne Perspektive, nahm er sich schließlich das Leben.
 
Daraufhin war für Klier klar, dass sie aktiv Widerstand gegen das unterdrückerische Regime leisten möchte.
Sie trat nun einem Theaterzirkel bei, der ihrer Aussage nach, der "blanke Widerstand", und gleichzeitig "das einzig Positive" an der DDR war. Durch Theaterstücke konnten die Menschen ihre eigene kritische Meinung, sogar ihren Missmut gegen das herrschende System zum Ausdruck bringen.
 
Schon seit der Verhaftung ihres Bruders hatte Klier sich Gedanken über eine Flucht aus der DDR gemacht.
 


Jetzt wollte sie endlich handeln, wofür sich 1966 eine Chance ergab.
  
In diesem Jahr besuchte eine schwedische Jugendgruppe das Theater, an dem Klier tätig war.
So lernte sie einen schwedischen Jungen kennen, der ihr bei der Flucht helfen wollte.
Erst 1968 ergab sich dann jedoch die Möglichkeit, als sie eines Tages ein unbeschriftetes und unfrankiertes Couvert mit einem gefälschten Pass in ihrem Briefkasten fand.

Ihr schwedischer Freund hatte ihr geholfen. Sofort war ihr klar, dass dies die Chance ist, um dem System zu entkommen.Zunächst verlief die Flucht reibungslos, Freya Klier kam mit dem gefälschten Pass problemlos durch die Passkontrolle am Rostocker Hafen und gelangte auf das Frachtschiff, d as sie nach Schweden bringen sollte.

Was Klier und die Besatzung des Frachtschiffes jedoch nicht wussten, war, dass das gesamte Hafenpersonal durch die Stasi gestellt wurde, um wichtige Informationen für die DDR zu gewinnen.

So kam es, dass zwei Matrosen von Kliers Fluchtschiff in einem Lokal am Hafen über die Flucht der Freya Klier sprachen. Die Stasimitarbeiter schlugen sofort Alarm, und Freya wurde daraufhin verhaftet und zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.
In den Achtzigerjahren wirkten sie und ihr Mann Stephan Krawczyk als Mitbegründer der Montagsdemos in der Freiheitsbewegung mit.
Daraufhin bekam Klier ein Berufsverbot und gründete daher eine freie Theatergruppe,
mit der sie politisch kritische Theaterstücke verbotenerweise in Kirchen aufführte.
Dies missfiel der Stasi und sie versuchte, Klier mit einem Giftgasanschlag aus der Welt zuschaffen.
Was allerdings - glücklicherweise - misslang.
Im Jahr 1988 wurde Klier zwangsausgebürgert.

  

 

Während des gesamten Vortrages herrschte eine beklemmende Stille, da die Schüler und Lehrer durch die Lebendigkeit der Erzählungen geradezu in diese Zeit der Unterdrückung und politischen Ohnmacht zurückgesetzt wurden. Auch in der anschließenden Fragerunde waren die Zuhörer noch so gefesselt, dass sich kaum Fragen ergaben. An den nachdenklichen Gesichtsausdrücken war jedoch deutlich zu spüren, dass die meisten über das Gesagte nachdachten und versuchten, sich vorzustellen, wie,sie wohl gehandelt hätten. Regimekonform sich unterdrücken lassen oder gegen das System aufbegehren, um die Freiheit zurückzugewinnen? Die meisten hatten also die Botschaft begriffen, dass auch in der heutigen Zeit die Demokratie gewahrt und gepflegt werden muss, um deren Vorteile wie Meinungsfreiheit weiterhin genießen zu können. Auch sollte die Politik nicht einfach unkritisch betrachtet werden, sondern eine eigene politische Meinung gebildet werden.

Die Veranstaltung wurde von der Konrad-Adenauer-Stiftung getragen und von Christiane Engelmann-Pink, der Bibliothekarin der Schule, organisiert.

 
         Presseveröffentlichung                                                                                  Backnanger Kreiszeitung vom 20. Oktober 2010
 
  
Backnanger Hilfe für Bácsalmás
  
TSG-Tennissenior Bernd Wichmann macht Tennis im Schulsport der Partnerstadt möglich


(pm). Bernd Wichmann ist begeisterter und erfolgreicher Tennisspieler bei der TSG Backnang. Zudem ist er Lehrer am Wirtschaftsgymnasium in Backnang. Als solcher weilte er in den vergangenen Jahren oft beim Schüleraustausch in Backnangs ungarischer Partnerstadt Bácsalmás. Dort war ihm immer wieder ein Dorn im Auge, dass der Tennisplatz der Partnerschule, das Hunyadi Janos Gymnasium, brachlag. Das wollte der württembergische Spitzenspieler im Seniorenbereich ändern. Mit Unterstützung des Leiters der Eduard-Breuninger-Schule, Herbert Nonnenmacher, der Mitglieder der TSG Tennis und der WTB-Konzeption "Tennis ... Play und stay" reaktivierte Wichmann den Tennisplatz und machte ihn für kontinuierliches Schultennis im Rahmen des Sportunterrichts fit.

Damit der Platz aber nicht nur hergerichtet, sondern auch fürs Schultennis genutzt wird, galt's drei Voraussetzungen zu erfüllen: Erstens mussten zwei Kleinfeldnetze, einen Ballkorb und 100 Methodik-Tennisbälle finanziert werden. Den Part übernahm die Eduard-Breuninger

Schule als diesjähriges Gastgeschenk. Zweitens mussten 50 brauchbare Kinderund Erwachsenen-,Tennisschläger besorgt werden. Den Part übernahmen die Vereinsmitglieder der TSG Backnang Tennis. Drittens musste das Konzept "Tennis... Play und stay", das den Tennissport für Einsteiger attraktiver gestaltet, in die Praxis umgesetzt werden. Den Part übernahm Wichmann, der dafür im Frühjahr einen eintägigen WTB-Kurs besuchte.

  Im Rahmen des Backnanger/13 Bácsalmáser Schüleraustauschs wurde ein
Nachmittag für das Projekt terminiert.Über 40 Tennisanfänger, deutsche und
ungarische Schüler sowie deutsche undungarische Lehrer, fanden sich auf dem
Tennisplatz ein. In zwei Gruppen mit jeweils 1,5 Stunden Intensivunterricht von Wichmann wurden die Einsteiger mit Ball und Schläger sowie den Bewegungselementen des Tennis vertraut gemacht.Zum Beispiel mit individuellen Schläger-Ball-Spielen. Danach kamen Partner-Spiele. Zeitweise standen sich auf jeder Längsseite des Tennisplatzes zwölf Spieler gegenüber. Es folgten variable Dopelspielvarianten im Kleinfeld. Ganz am Ende wurde das Großfeld mit beiden Kleinfeldnetzen zu zwei Plätzen fürs Mäxle-Spiel umgewandelt. Permanent mit von der Partie war der ungarische Sportlehrer, Käroly Merkovic. Er soll künftig als Multiplikator das Schultennis, in seinen Sportunterricht integrieren.

Viele Schüler waren von Wichmanns Unterricht allerdings so begeistert, dass sie den Vorsatz fassten, auch außerhalb des Sportunterrichts zu Ball und Schläger zu greifen. Von der Tennis-Demonstration angetan waren allerdings auch viele Zuschauer. Selbst Katalin Kerenyine Szalai, Leiterin des Hunyadi Janos Gymnasiums, die dem Tennisprojekt anfangs kritisch gegenüberstand, ist mittlerweile vom Sinn des Schultennis im Sportunterricht überzeugt. Spätestens in zwei Jahren, wenn der nächste Schüleraustausch ansteht, wird sich Wichmann über die Fortschritte des Schultennis in Backnangs Partnerstadt schlaumachen. Vielleicht gibt's dann ja ein Tennisturnier namens 1. Bácsalmás Open für deutsche und ungarische Gymnasisten.

 
 
         Presseveröffentlichung                                                                                  Backnanger Kreiszeitung vom 20. Oktober 2010

EIN MAGISCHES VOLK


 

Evelyne Okonnek las aus „Die Flammen der Dunkelheit“
Im Rahmen des Frederiktages, des landesweiten Literatur- und Lesefestes, fand im Beruflichen Schulzentrum am 20.10.2010 eine Lesung der Schriftstellerin Evelyne Okonnek statt, die ihr drittes Buch „Die Flammen der Dunkelheit“ vorstellte. Jelena Hedderich von der Anna-Haag-Schule, Klasse 2 BFH 1/2 verfasste einen Bericht. 


Zu der Lesung eingeladen hatte Christiane Engelmann-Pink,
Leiterin der Bibliothek im Beruflichen Schulzentrum.


   

Evelyne Okonnek wurde in Bietigheim geboren und wuchs im Schwarzwald auf. Sie studierte Germanistik und Spanisch, ist hauptberuflich Schriftstellerin und wurde 2006 für ihren Fantasy-Roman „Die Tochter der Schlange“ mit dem Wolfgang-Hohlbein-Preis ausgezeichnet. Evelyne Okonnek entführt mit ihrem Buch in eine archaische, sagenumwobene Welt der Magie und der übermenschlichen Kräfte. Ähnlich wie bei Tolkiens „Herr der Ringe“ liegen hier Elemente der irischen Mythologie zugrunde. Die Geschichte spielt auf einer Insel, die von einem magischen Volk bewohnt und von Menschen entdeckt wurde. Lange Zeit lebten beide Gruppen friedlich Seite an Seite, bis jedoch eines Tages ein Krieg ausbrach.


   

Die Angehörigen des Magischen Volkes wurden als Dämonen bezeichnet und fast ganz ausgerottet. 300 Jahre später wurden Dämonenmischlinge – Kinder von Dämonen und Menschen – immer noch gejagt. Zwei dieser Dämonenkinder, die in der gleichen Nacht geboren wurden – Dalachar, der im Palast aufwuchs, und Glick, der im Wald bei einer alten Frau aufwuchs – sollten die Wende und damit den Frieden bringen. Doch ihr Weg war steil und ihnen wurden viele Hindernisse in den Weg gelegt. Die vorgelesenen Szenen waren spannend und detailliert geschrieben. Man wird in eine fantastische Welt hineingezogen, bei der die Charaktere ausführlich beschrieben sind, sodass man sie sich gut bildlich vorstellen kann.
 


 
         Presseveröffentlichung                                                                                          Backnanger Kreiszeitung vom 20. Juli 2010

Aufwändige Inszenierung: Ein Jahr lang hatte die Theater–AG daran gearbeitet, das Stück von Witold Gombrowicz auf die Bühne zu bringen. Foto: A.Wahl
    
Die nicht mit dem Strom mitschwimmt
"Yvonne, die Burgunderprinzessin": Schüler des beruflichen Schulzentrums
interpretieren Theaterstück modern und charmant
BACKNANG. Im Backnanger Bürgerhaus gab die Theater-AG des beruflichen Schulzentrums ihre Interpretation des Stücks "Yvonne, die Burgunderprinzessin" zum Besten.
Die Schüler bewiesen trotz ihres jungen Alters beeindruckendes schauspielerisches Talent. Das über das gesamte Schuljahr andauernde Projekt beanspruchte sowohl die Darsteller als auch Organisatoren Matthias Roehrl, Claudia Braun und Lehrerin Zita Kästle, die mit ihrem Kunstkurs durch aufwendige Kostüme und Bühnenbild für die passende Atmosphäre sorgte.
Unterricht, Prüfungsstress und der ohnehin schon turbulente Alltag eines Jugendlichen. Und dann nebenher ein Theater-Projekt auf die Beine stellen?

Die Schüler des beruflichen Schulzentrums in Backnang zeigten mit ihrer Theater-AG, dass es machbar ist. Über das ganze Schuljahr hinweg bastelten sie an den Kostümen und dem Bühnenbild, lernten ihre Texte zu sprechen und zu interpretieren.

Nicht ganz einfach, wenn man bedenkt, dass ein professionelles Theater für viele Tätigkeiten eigens geschulte Mitarbeiter hat: "Normalerweise gibt es ja für so etwas Tontechniker, Regisseure oder Maskenbildner. Wir haben alles alleine gemacht", erklärt Claudia Braun.
 
VON KRISTINA BAKETARIC
 

Das ist den engagierten Jugendlichen gut gelungen. Auf moderne und abwechslungsreiche Weise interpretierte die Theater-AG des beruflichen Schulzentrums Witold Gombrowiczs Stück und wies damit auch auf einen brisanten gesellschaftlichen Brennpunkt hin: Spott und Missachtung gegenüber Menschen, die nicht mit dem Strom schwimmen wie die Protagonistin Yvonne, aber in unserer Gesellschaft ebenso wertvoll sind wie jeder andere auch. Mut zum Anderssein und zur eigenen Individualität, so lautet die Devise.

Video- und Musiksequenzen sowie pantomimische Einlagen sorgten für Auflockerung. Unter den jungen Schauspielern herrschte eine fröhliche und ausgelassene Stimmung. Es wird viel gemeinsam gelacht - und: "Es macht sehr viel Spaß." Doch einer späteren schauspielerischen Karriere blicken nur wenige der Mitwirkenden entgegen. "Das ist eher ein Hobby. Wenn es Pflicht wäre, gäb's auch mehr Druck", sagt eine Schülerin.

Doch die Jugendlichen waren sich alle einig, dass das Schauspielern ein gutes Ventil sei, um neben dem Alltag den Stress abzubauen und Dampf abzulassen. Mitschüler und Klassenkameraden reagieren mit gemischten Ansichten auf die Mitglieder der Theater-AG. "Oft hört man sowas wie: Was? Du machst bei der Theater-AG mit?' Aber später sind die meisten dann begeistert", lachen die Nachwuchstalente. Oder, wie es einer der Schüler ausdrückt: "Verwunderung dann Begeisterung."

Durch Lehrer, Infoabende oder das traditionelle Kennenlern-Wochenende der Eduard-Breuninger-Schule seien die Schüler auf den Geschmack des Schauspiels gekommen. Bis heute hält diese Leidenschaft an. Es reißt einen einfach mit", betont die Theatergruppe. Bleibt zu hoffen, dass sie mit ihrem Elan und dem Engagement ebenso weitere Jugendliche für das Theater begeistern können.
 

 
 
         Presseveröffentlichung                                                                                          Backnanger Kreiszeitung vom 7. Juli 2010
Der türkischstämmige Deutsche war in den vergangenen zwei Jahren im Fach Deutsch konstant einer der Besten, bestand die Reifeprüfung mit einem Notendurchschnitt von 2,3 und ist blind.

Foto: T.Roth
  
"Für mich ist es normal, nichts zu sehen"
Der blinde Atilla Azgin absolvierte sein Abitur am Wirtschaftsgymnasium und erhielt für die beste Deutschnote den Scheffelpreis
Über das Thema" Der Einfluss des Internets auf die Presse" schrieb Atilla Azgin, Schüler der Backnanger Eduard-Breuninger-Schule, seinen Abituraufsatz und bekam auch dafür den Scheffelpreis.
VON THOMAS ROTH  
    
BACKNANG. Wenn er in einen Raum kommt, kann er vermuten, dass sich in diesem ein Fenster befindet. Atilla Azgin erkennt keine Konturen, nur ein wenig Hell und Dunkel. 1990 als Nichtsehender in Backnang geboren, geht er in einen ganz normalen Kindergarten: "Bei Kindern ist Herkunft und Aussehen eher egal, zumindest in diesem Alter noch.": Atilla Azgin über seine Zeit im Kindergarten.
   
Man stellt Atilla einen Assistenten zur Seite. Die Vermittlung von Information läuft heute über eine Computersprachsoftware. Klausuren beispielsweise werden auf einem USB-Stick so aufbereitet, dass sie, unter Verwendung der Pfeiltasten, bearbeitet werden können. Bei der Berechnung von Kegelschnitten werden auch mal Modelle geformt, die dann haptisch erkannt werden können. Auch Zeichnungen auf speziellen Folien können ertastet werden. Bei Bildern enden die technischen Möglichkeiten allerdings. Ob er denn gehänselt worden sei? Eher selten: In der schlimmsten Phase, so mit 13 oder 14, war ich in der Blindenschule in Ilvesheim und dadurch geschützt. Ich freue mich inzwischen eher über jeden kreativen, fantasievollen Spruch, den ich dann einem anderen Blinden aufdrücken kann. " Als Fünftgeborenener einer "typischen Gastarbeiterfamilie" - Atilla hat vier Brüder: "Meine arme Mutter" - entschließt sich der inzwischen 15-Jährige, wieder den integrativen Weg zu versuchen, als Nichtsehender unter Sehenden.
  
 
    
Atilla erinnert sich an die Phasen seines noch jungen Lebens: Für mich war und ist das ganz normal, nichts zu sehen unter Sehenden. Ich habe das damals auch nicht als Behinderung wahrgenommen, weil ich es nicht anders gelernt habe - die Nikolauspflege ist eine über das gesamte Bundesgebiet verbreitete Schulinstitution für Blinde und Sehbehinderte. In Stuttgart absolviert Atilla die Grundschule und macht danach in einem Internat in Ilvesheim bei Mannheim den Realschulabschluss: "Gerade das war eine ganz wichtige Station in meinem Leben, weil man mir dort die ganzen blindenspezifischen Dinge beigebracht hat. Dazu gehören Mobilität, selbstständiges Essen, Trinken und die Körperpflege."
  
   
  Atilla bewirbt sich bei einigen Gymnasien.
Der Rektor der Eduard-Breuninger-Schule
Herbert Nonnenmacher lädt ihn zu einer Gesamtlehrerkonferenz ein.

Atilla stellt sich und seine Vorstellungen vor. Das Kollegium nimmt den Schüler auf und einen erhöhten Arbeitsaufwand in Kauf: Klausuren müssen digitalisiert und Tafelaufschriebe diktiert werden.

Man stelle sich vor, die Augenheilkunde könnte Atillas Krankheit irgendwann heilen. Es würde ihm nichts nützen: "Mein Gehirn hat Sehen nicht gelernt." Und so blickt der angehende Student der Computerlinguistik freudig nach vorne.
 

Nach Heidelberg wird er ziehen und sich im Studentenwohnheim oder anderswo eine Bleibe suchen: "Heidelberg ist schön."

Atilla Azgin ist ein junger Mann mit hohem Humorpotenzial. Auf die Frage zum Schluss, was er gerne noch loswerden wolle: "Ich entschuldige mich hiermit bei allen Leuten, denen ich im Bus oder in der Stadt mehr oder weniger absichtlich auf die Füße trete oder mit dem Stock erwische. Das passiert nämlich recht häufig." Und weil in der nächsten halben Stunde kein passender Bus fährt: "Dann gehe ich zu Fuß nach Hause. Hier in Backnang kenne ich mich aus. Wirklich kein Problem. Das Wetter ist schön."

 
 
         Presseveröffentlichung                                                                                          Backnanger Kreiszeitung vom 24. Juni 2010

 Mit Hip-Hop, Lyrik und Tagesschau Adieu gesagt 

  
Abiturienten des Wirtschaftsgymnasiums Eduard-Breuninger-Schule feierten Abiball im Bürgerhaus

Jungs sagen aus wie James Bond, Mädchen wie Prinzessinnen
  


Foto: © Copyright Edgar Layher, freundlicherweise von Herrn Layer (www.layher-fotografie.de) zur Verfügung gestellt.

Die Abiturienten der Eduard-Breuninger-Schule feierten ihren Abiball.
Im Backnanger Bürgerhaus boten die Schüler ihren Verwandten und Lehrern ein abwechslungsreiches Programm, das Spiel, Tanz und Parodie gekonnt vereinte.
Die Abiturientin Alina Lutz berichtet.

   zur Vergrößerung 3504 x
Der Gesamtschnitt von 2,5 zeugt von einem durchaus erfolgreichen Arbeiten:
die 86 strahlenden Abiturienten der Eduard-Breuninger-Schule.


BACKNANG. Die Prüfungen sind überstanden, der Schulstress hat ein Ende. Ein Grund zu feiern, aber auch zurückzublicken. Das tut man am besten gemeinsam. Alles, was das Wirtschaftsgymnasium zu bieten hat, fand sich zusammen mit Eltern, Großeltern, und Freunden ein. Da bot sich schon manch ein ungewohnter Anblick: Man ist den ein oder anderen Mitschüler nicht im feinen Zwirn, sondern schlimmstenfalls in Jogginghosen gewohnt. Die Jungs sahen auf einmal aus wie James Bond, die Mädchen wie Prinzessinnen, die in vollendeter Grazie
durch den Saal schwebten.
  
Der Schulleiter, Oberstudiendirektor, Herbert Nonnenmacher, eröffnete den Ball, ehe an die reizenden Moderatorinnen Lisa Verba und Sonja Bischof übergeben wurde und die Schüler fortan das Geschehen bestimmten. Jeder Schüler, der eine Belobigung oder gar einen Preis erhielt, wurde auf die Bühne gebeten.
 

Die Band Different Colors führte musikalisch zum ersten Programmpunkt: Lisa Kachel (13/1) hatte eine unterhaltsame Präsentation über die drei WG-Jahre mit ihrer Klasse vorbereitet, in der Bilder aus dem (nicht immer schönen) Schulalltag, der Studienfahrt und der Abifahrt gezeigt wurden. Einen spielerischen Beitrag lieferten Marco Dell'Oso und Philipp Kleeh (13/4). Mit ihrem Spiel "König der letzten Reihe" stellten sie vier Lehrkräfte auf die Probe. Wer am besten typische Schülerstreiche beherrscht, wie das Bauen eines Papierfliegers oder das Weitwerfen von Papierkügelchen, gelangte zu diesem fragwürdigen Titel. Ausgerechnet der Abteilungsleiter des WG, Oberstudiendirektor Pfeifer, darf sich nun "König der letzten Reihe" nennen. Auch die große Liebe wurde fleißig gesucht:
Im Spiel Herzblatt, das, von Carmen Soraya Fischer gestaltet wurde, suchte der Physiklehrer sein Herzblatt unter drei Kolleginnen, wobei im Endeffekt entschieden wurde, dass man die Eifersüchteleien unter den Kollegen nicht überstrapazieren wollte und somit jede Herzblatt sein durfte.
   
 
Alina Lutz (13/1) ehrte ihre Englischlehrerin mit einem hundertzeiligen Gedicht mit dem Titel "Birgit", welches über die Macken, aber auch über die guten Eigenschaften ihrer Lehrerin erzählte.
Um auch auf dem neuesten Stand der aktuellen Ereignisse zu bleiben, wurde die „Tagesschau" von Schülern aus der 13/3 ausgestrahlt, die natürlich das Neuste aus der Eduard-Breuninger- Schule zeigte.
Top-Thema: Die Weltuntergangsstimmung aufgrund eines defekten Kopierers, der Retter der Welt nun mal kein Amerikaner, sondern wieder der schwäbische Physiklehrer alias "Super Mario". Ordentlich bekamen die Lehrer ihr Fett weg. Krönender Abschluss war ein leicht anstößiger Wetterbericht für das nächste Schuljahr.
 
Der Abiturient Mohamed Girao-Afoso,
Coach der Magnetie-Jam-Messengers,
stellte mit seinen Schützlingen eine atemberaubende Performance auf die Beine. Die mehrfachen deutschen Meister
im Hip-Hop-Tanzen brachten durch ihre Darbietung den Saal ebenso zum Kochen wie die Gruppe Gettin Crazed. Nach einer temporeichen Darbietung der German Dancemasters 2008 kamen
Breakdancer auf die Bühne und
heizten dem Publikum mit fantastischen Moves noch mehr ein.
Zum Schluss bedankten sich die Klassen
noch bei ihren Lehrern mit
kleinen Geschenken.
Dank gebührt auch der Schülerin Sabrina Schindler und den vielen fleißigen Bienchen
des Abiball-Komitees.
Alle 86 Abiturienten erreichten ihren Abschluss, der Gesamtschnitt von 2,5 zeugt von einem durchaus erfolgreichen Arbeiten.
Zudem konnten 2-6 Belobigungen
und 16 Preise unterschiedlicher Art vergeben werden.
Studiendirektor Pfeifer, Fachabteilungsleiter des kaufmännischen Gymnasiums, zeigte. sich erleichtert, dass alle seine Schützlinge das Abitur bestanden haben.
So manche "Punktlandung"
und manchen Tanz auf der Rasierklinge habe es gegeben, das Sommermärchen sei aber für alle in Erfüllung gegangen.

  
Die Abiturienten der Eduard-Breuninger-Schule (aus dem Raum Backnang):


Atilla, Azgin (Backnang, erhält eine Belobigung und den Scheffelpreis); Karin Bachmann (Weissach im Tal, Belobigung); Peter Baschin (Aspach, Belobigung); Sonja Bischoff (Murrhardt, Belobigung); Isabell Delitz (Backnang, Belobigung); Marco-Angelo Dell'Oso (Weissach im Tal); Elisabeth Dießner (Murrhardt); Peter Digel (Backnang, Preis); Alexej Eberhardt (Aspach); Melissa Ebert (Murrhardt, Belobigung); Vera Eisenmann (Auenwald); Rita Farag (Sulzbach an der Murr); Carmen Soraya Fischer (Backnang, Belobigung); Saskia -Frank (Backnang, Belobigung); Virginia Viktoria Galster (Backnang, Preis); Katharina Galuschko (Backnang.); Linda Gerst (Weissach im Tal); Mohamed Girao-Afonso (Burgstetten); Sebastian Goldner (Murrhardt); Lisa Maria Gruber (Backnang); Jasmin Nicole Haag (Aspach); Lena Heckelmann (Auenwald); Aretina Iazzolino (Backnang); Liane Immel (Althütte, Belobigung); Nicola Janke (Backnang); Lisa Vanessa Kachel (Backnang, Belobigung); Vanessa Kaiser (Sulzbach an der Murr); Sarah Karadag (Backnang, Belobigung); Flakron Kastrati (Backnang); Steffen Kienzle (Oppenweiler, Belobigung); Natalie Klass (Oppenweiler); Philipp Kleeh (Weissach im Tal); Melanie Knödler (Auenwald); Caroline Köngeter (Althütte, Preis); Kristina Kopp (Backnang); Johannes Koppold (Backnang, Preis);

Lea Annina Kretschmer (Murr, erhält eine Belobigung und den Sozialpreis der Eduard-Breuninger-Schule); Jana Krüger (Backnang); Verena Kuhn (Backnang, Belobigung); Gitte Layer (Backnang); Stefanie Layher (Burgstetten); Natalie Lemberger (Aspach); Jessica Lessig (Backnang, erhält eine Belobigung und den Preis der Deutschen Mathematiker-Vereinigung für die beste Leistung im Fach Mathematik); Alina Lutz (Auenwald, Preis), Juan Maheswaran (Weissach im Tal, Belobigung); Andreas Maier (Großerlach); Meike Michael (Oppenweiler); Eugen Mischurow (Backnang); Fabian Noller (Großerlach, Preis); Tim Paetzold (Althütte); Katharina Pawlik (Backnang); Karolina Pfeffer (Backnang); Maike Raimund (Oppenweiler); Anja Reinecke (Backnang); Kristina Julia Regine Ruthemann (Backnang, Belobigung); Enver Sabani (Aspach); Laura Salwey (Burgstetten, Belobigung); Angelina Sanzenbacher (Backnang); Bianca Schäfer (Backnang, Preis); Elisa Scheib (Sulzbach an der Murr); Sabrina Schindler (Aspach, Preis); Johannes Schmidt (Backnang, Preis); Falko Schneider (Auenwald, Belobigung); Anna Schubert (Aspach, Belobigung); Julia Schulze (Backnang); Laura Schwaderer (Burgstetten); Dorothee Stahl (Backnang); Karen Steinebronn (Allmersbach); Franziska Steiner (Backnang, Belobigung); Marc Stoiber (Aspach); Stefanie Strohmaier (Backnang, Belobigung); Tim Trostel (Backnang, Preis); Stavros Tzimpas (Backnang); Melanie Uebele (Aspach, Belobigung); Valiantsina Vavulava (Aspach); Lisa Marie Verba (Backnang); Tobias Werner (Backnang, erhält den Eduard-Breuninger-Preis für das beste Abitur); Jutta Wieland (Oppenweiler); Timo Wittenberg (Backnang, Belobigung); Salome Wörner (Murrhardt); Christian Norbert Zimmer (Backnang, Belobigung).

 
 
         Presseveröffentlichung                                                                                          Backnanger Kreiszeitung vom 6. Mai 2010

 

Im KZ gehörte er zu den untersten Chargen

Thomas Geve war fast zwei Jahre in Auschwitz und Buchenwald – Beitrag zum Thema Menschenrechte am beruflichen Schulzentrum
    

22 Monate war er
im KZ Auschwitz
und Buchenwald.
Und hat überlebt.

Thomas Geve
ist heute 81 Jahre alt.
 
Zu Gast im Beruflichen Schulzentrum in Backnang,
erzählte er von seinen Erlebnissen. Ohne Pathos, ohne sich selbst zu glorifizieren, eher sachlich und distanziert.


 
Von Thomas Roth

„Es gibt immer noch Leute, die behaupten, die Erde sei flach. Mit solchen Menschen setze ich mich nicht an einen Tisch“: Thomas Geve über Holocaustleugner. Der in Haifa wohnende KZ-Überlebende war im Beruflichen Schulzentrum zu Gast. Foto: E. Layher
  
 

BACKNANG. Seit der Ingenieur im Ruhestand ist, reist er im Durchschnitt dreimal pro Jahr von seinem Wohnort Haifa nach Europa. Hauptsächlich aber nach Deutschland, um in Schulen jungen Menschen die Zeit des Nationalsozialismus aus der Sicht eines Verfolgten nahezubringen.
Sein Credo: „Die wahre Geschichte muss man erlernen. Erkenne die wahre Vergangenheit und handle danach.“
 
Damit spielt Thomas Geve auf ein häufig verzerrtes Geschichtsbild an. Er selbst kenne sechs Varianten über die Befreiung der Inhaftierten des Konzentrationslagers Buchenwald.
 
Nur eine, so Geve, sei richtig. „Es gibt Holocaustleugner und Antisemiten. Wie stehen Sie dazu?“ Die Frage eines Schülers beantwortet Geve in einer für ihn typischen Art. Es handele sich um eine Standardfrage. „Meine Standardantwort hierzu lautet:
Es gibt immer noch Leute, die behaupten, die Erde sei flach.
Mit solchen Menschen setze ich mich nicht an einen Tisch.“
Die Bildhaftigkeit dieser Entgegnung ist charakteristisch für diesen Mann, der mehr als nur ein Faible für Technik und mathematisches Denken hat:
 
„Ich habe nie geglaubt, was in den jüdischen Büchern über Geschichte stand, habe nie geglaubt, was in den deutschen Büchern über Geschichte stand.“ Geve bevorzugt Tatsachen.
Er will das Beweisbare. „Ich habe nur an das geglaubt, was ich sehen konnte. An die Technik.“
Mit Goethe und Schiller hat er es nicht so. „Ich bin nicht religiös. Ich lebe in Haifa. In Jerusalem leben die Religiösen“, fügt er entspannt hinzu.

Bekannt geworden ist Geve vor allem durch 80 Buntstiftzeichnungen, die er unmittelbar nach seiner Befreiung aus dem Konzentrationslager Buchenwald am 11. April 1945 angefertigt hat.
Bei diesen geht es weniger um den künstlerischen,
denn um den inhaltlichen Wert. In diesen postkartengroßen Skizzen hat er sich alles Erlebte von der Seele gemalt.

 
   

Desinfektion der Häftlinge. Aussonderung der Insassen für die Gaskammer und viele andere Grausamkeiten mehr.
Auch Bücher hat er verfasst.
 
Und doch wirkt dieser Mann alles andere als verbittert. Übertriebenes Sendungsbewusstsein ist nicht zu spüren, als er nach dem Ende eines etwa 40 Minuten langen Films Fragen beantwortet.
In dem Streifen spaziert Thomas Geve mit seinem Enkel Joshua durch Berlin und die Stätten, an denen er sein damaliges Leben verbrachte oder zu verbringen hatte.
 
Er erzählt über die Hierarchie im KZ: „Russen, Zigeuner und Juden waren die untersten Chargen.“ Überlebenswichtig sei gewesen, sich fernzuhalten von den SS-Leuten und KZ-Wächtern. Gegebenenfalls auch vorzutäuschen, man verstünde kein Deutsch.
 
Er hätte nach dem Krieg seinem Vater nach England folgen können. Dort wäre er dann, auch kraft seiner Vitalität, die ihn das KZ überleben ließ, Nato-Offizier geworden.
Einem von anderen vorgegebenen Plan folgen wollte er aber nicht. Und so entschloss er sich 1949, in den neu gegründeten Staat Israel zu gehen. In dieser „Wüste“ konnte er sich als Bauingenieur wesentlich besser verwirklichen.
Im Straßen- und Häuserbau.
 
Die Souveränität und Distanziertheit Geves wirkt bisweilen beinahe irritierend. Fast wertfrei erzählt dieser Mann von unfassbaren Vorgängen, die so viele Unschuldige das Leben gekostet haben. Diese scheinbare Wertfreiheit entspringt dem denkerischen Naturell Geves und verleiht der Geschichtsbetrachtung etwas hoch Seriöses.
Propaganda in eigener Sache? Mitleidheischen? Nein. Es geht nur um Aufklärung. Um die Vermittlung dessen, was war. Um „wahre Geschichte“. Ein Urteil über das Gut und Böse fällt Geve nicht explizit. Hat er gar nicht nötig. Die Fakten sprechen für sich.
 
 
         Presseveröffentlichung                                                                              Backnanger Kreiszeitung vom 11. Mai 2010

 

Keine Alternative zum Rettungsplan

Zum Europatag in turbulenter Zeit brach Justizminister Ulrich Goll
vor Schülern eine Lanze für die Europäische Gemeinschaft

 

Euro-Krise hin, Griechenland-Pleite her:
Für Deutschland ist die EU „ein Geschenk“.
Das sagte Landes-Justizminister Ulrich Goll gestern vor 200 Schülern der Kaufmännischen Schule.

Zum eingeschlagenen Weg der Rettung
Griechenlands gebe es keine Alternative.
Anlässlich des Europatages besuchte Goll gestern drei Schulen im Kreis.


Von Peter Wark

BACKNANG. Der 9. Mai ist Europatag.
Er erinnert an den 9. Mai 1950, als der damalige französische Außenminister Robert Schuman seine Gedanken zur Zusammenlegung der französischen
und deutschen Stahl- und Kohleproduktion bekannt gab, die später in die Gründung der Montanunion als Vorgängerin der heutigen EU mündete.
 
Um der jungen Generation das schwierige Konstrukt Europa näherzubringen, gehen jedes Jahr Politiker,
vom Promi bis zum Hinterbänkler,
am Europatag in die Schulen.


Warb bei Backnanger Schülern für Vertrauen in Europa: Justizminister Goll.
Foto: E. Layher
 

 
Ein bisschen Werbung können Gemeinschaft und Gemeinschaftswährung in diesen turbulenten Zeiten durchaus gebrauchen. Und die macht Ulrich Goll, wenn auch nicht unbedingt in jugend-kompatibler Sprache. In seinem Referat bedient er sich über weite Strecken des typischen Politiker-Sprech. Subsidiaritätsprinzip, Internationaler Währungsfonds: Solche Worte kommen ihm vermutlich leichter von den Lippen als sie den Schülern ins Gehör gehen.

Die Europäische Union sei ebenso alternativlos wie die Rettung der schwer angeschlagenen Mitgliedsstaaten, sagt Goll, nachdem Schulleiter Herbert Nonnenmacher ihn vorgestellt hat. Dass das Rettungspaket „nicht sehr populär ist“, räumt der Minister ein. Er sieht andere Staaten ebenfalls „auf dem Weg nach Griechenland“. Will heißen: Von der Pleite bedroht. Alle würden über ihre Verhältnisse leben, auch Deutschland. In Griechenland wurde das auf die Spitze getrieben. Goll nennt ein paar Beispiele: Mindestens 14 Monatsgehälter als Normalfall, Zulagen für Angestellte, die pünktlich am Arbeitsplatz erscheinen, Lohnaufschläge für Forstarbeiter, wenn sie im Freien arbeiten.
 

Kritische Worte zu Europa sind in dieser Schulstunde der anderen Art zu hören, aber der Minister legt den Fokus eindeutig auf die Vorteile der Gemeinschaft für Deutschland. „Wir sind, waren und bleiben die größten Profiteure“, wertet der FDP-Politiker. Von Deutschland als Zahlmeister der EU zu sprechen, sei ebenso falsch, wie eine vermeintliche Bevormundung durch Europa zu kritisieren. Viel größere Summen als sie jetzt nach Griechenland überwiesen würden, seien durch griechische Kaufkraft bereits nach Deutschland geflossen.

Der hohe griechische Verteidigungsetat?
Für Ulrich Goll zwar fragwürdig, aber: „Davon haben sie auch deutsche U-Boote gekauft.“
Für die junge Generation würden sich durch das gemeinsame Europa völlig neue Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten ergeben. „Sie werden mobiler sein als alle anderen Generationen vor Ihnen“, gibt er den Schülern mit auf dem Weg. „Darum kann man sie nur beneiden.“ Verbesserungen
der Umweltstandards und Stärkung des Verbraucherschutzes sind weitere Stichworte, die Goll auf der europäischen Haben-Seite verbucht. Der wichtigste Grund aber sei der nun seit über
60 Jahren anhaltende Frieden im Kern Europas.
  
Zum Ende seiner Rede findet der Justizminister dann wieder kritische Ansätze. Eine gewisse Abgehobenheit der EU-Administration sei nicht von der Hand zu weisen. „Da drückt sich manches schon in den Bauten in Brüssel aus.“
Die Bürokratie in Europa nehme immer mehr zu, ebenso wie die Regulierungsbemühungen auf allen Ebenen.
Goll spricht von einer Vorschriftenflut.
Als griffiges Beispiel für Verordnungen, die kein Mensch verstehen kann, nennt er die berüchtigte (inzwischen wieder abgeschaffte) Vorschrift zum Krümmungsgrad europäischer Gurken.
 
 
Es folgt eine Fragerunde unter Moderation von Irina Stotz, der hauptamtlichen Europabeauftragten des Rems-Murr-Kreises. Nachdem niemand aus der Schülerschaft den Anfang machen will, stellt Schulleiter Nonnenmacher eine Frage.
Wie der Minister denn zum EU-Beitrittswunsch der Türkei steht, will er wissen. Goll, ganz Polit-Profi, holt erst einmal aus und weist darauf hin, dass neben der Türkei auch Island und Kroatien Mitglieder werden wollen. Dabei wird er kurz salopp: Kroatien könnte auf dem Weg in die EU schon viel weiter sein, „wenn die nicht ihre Kriegsverbrecher so lange im Keller versteckt hätten“. Man werde der Türkei weiter entgegenkommen, findet Goll schließlich wieder zur eigentlichen Frage zurück. „Es muss aber auch politisch passen“, „man wird sich weiter annähern“. So weit, so unverbindlich.

Für deutliche Worte sorgen dann einige Schüler. Sie stellen ihre Fragen konkret und für jeden Mitschüler verständlich.
Ob der Minister eine Inflationsgefahr sieht, will eine Schülerin wissen. Ein anderer Jugendlicher nimmt die Worte Golls auf. Wenn Deutschland der große Gewinner der EU sei, dann müsse es doch wohl auch Verlierer geben?

Als Beobachter hat man in diesem Moment den Eindruck, dass der junge Mann Goll damit ganz kurz ins Schleudern bringt.
„Das kann in gewisser Weise sein“, sagt der nämlich spontan, um dann hinzuzufügen: „Mittlerweile haben alle von der EU profitiert.“
Das Thema, das den Justizminister selbst seit Wochen in den Schlagzeilen hält, wird übrigens nicht angesprochen:
Es gibt keine Frage zu Golls umstrittenen Waffenbesitz. Dabei waren, wie Geschichtslehrerin Birgit Schlosser (die die Veranstaltung mit ihrer Kollegin Melanie Müller vorbereitet hatte) im Vorfeld betonte, kritische Fragen selbstverständlich zugelassen.

 
 
 
         Presseveröffentlichung                                                                              Backnanger Kreiszeitung vom 30. April 2010
Themen der Berufsschulen diskutiert
BACKNANG (nis).

Um sich über die Situation an beruflichen Schulen und die Verantwortung des Landes auf diesem Themengebiet zu informieren, haben Claus Schmiedel (Zweiter von rechts) und Katrin Altpeter (Zweite von links) gestern das Berufsschulzentrum Backnang besucht.

Der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion und seine Stellvertreterin aus dem Rems-Murr-Kreis haben mit den Schulleitern Herbert Nonnenmacher und Dr. Isolde Fleuchaus sowie ihrem Stellvertreter Reiner Immik (von links) über die Lehrerversorgung, die Auswirkungen der Werkrealschule auf die beruflichen Schulen, die Bewerbersituation am beruflichen Gymnasium
und Jugendliche ohne Ausbildungsvertrag diskutiert.
  

Foto: E.Layher 
 
Er sicherte zu, das Thema Ganztagesbetreuung aufzugreifen.
Hier müsse es gleiche Voraussetzungen geben wie bei allgemeinbildenden Schulen.

Er wies darauf hin, dass seine Partei einen Gesetzesvorstoß gemacht habe, der darauf abzielt,
dass alle Bewerber für berufliche Gymnasien unterkommen, sofern sie qualifiziert sind.


"Die Regierung hat sich dazu noch nicht geäußert. Es kann nicht sein, dass wir Potenziale verschenken, die wir brauchen." Außerdem versprach er, hinsichtlich eines berufsbegleitenden Bachelor-Pilotprojektes aktiv zu werden.

    
 
Presseveröffentlichung                                                                              Backnanger Kreiszeitung vom 28. April 2010
Vier-Jahreszeiten- Landschaft für alte Menschen
Schüler berichten: Eine Klasse der Eduard-Breuninger-Schule
hat den Flur im Alexander-Stift in Allmersbach schön gestaltet
Die Klasse 1BK1W4 der Eduard-Breuninger-Schule hat den Flur im Alexander-Stift in Allmersbach im Tal verschönert.

Über ihre Motivation und ihr Projekt berichten die Schüler:

Nach dem Durchsetzen gegen andere Mitbewerber stand die Klasse 1BK1W4
im Finale des Eduard-Breuninger-Preises für soziales Engagement unserer Schüler.

Nun musste sie nur noch die zwei anderen Klassen hinter sich lassen, um das Ziel, das sie sich gesetzt hat, zu erreichen.

Die Klasse hat sich in verschiedene Teilgruppen eingeteilt, die zum Beispiel für den Einkauf, das Putzen, oder die wirklich sehr gut gelungene Gestaltung der Wand verantwortlich waren.

Als der Termin für das Projekt feststand, machte sich ein Team von Schülern auf den Weg zum Einkaufen. Da Mitschüler Farben, Pinsel und Farbrollen sowie Klebeband zur Verfügung gestellt haben, mussten nur noch einige weitere Dinge gekauft werden.

Bild: privat

 
 
Am 5. März war es dann soweit. Die Verantwortlichen der Klasse machten sich nach der Schule auf den Weg zum Alexander-Stift in Allmersbach im Tal. Da die Schüler das Projekt auf jeden Fall so gut wie möglich umzusetzen versuchten, jedoch nichts in der Schule verpassen wollten, beschlossen sie, ein Wochenende für die Gestaltung des Flures zu nutzen. An diesem Tag wurden die Wand sowie der Boden abgeklebt und die Grundfarbe des Flures von hellblau in weiß umgestrichen. Das Ganze trocknete über Nacht und wurde zu einer perfekten Grundierung für die nachfolgenden Tätigkeiten. Ab diesem Zeitpunkt waren die kreativen Köpfe der Klasse gefragt. Sie zauberten eine Vier-Jahreszeiten, Landschaft an die Wand.

Lob möchten wir Tamara Gläser aussprechen, da sie die Motive gestaltet hat und diese bei der Heimleitung, den Mitarbeitern, den Heimbewohnern und in der Klasse sehr gut ankamen.

Am Samstagmorgen gingen die Künstler ans Werk. Sie zeichneten alles erst mit Bleistift vor und erweckten die Motive anschließend mit freundlichen Farben zum Leben.
 

 
  
Das Ergebnis ist unbeschreiblich, sodass die Heimleitung gerne in der Zukunft auf die Künstler zurückgreifen würde.

Am Sonntag kamen dann die Putzteufel, die trotz allem immer ein Lächeln im Gesicht und viel Spaß hatten.

Auch sie waren von dem Ergebnis überrascht,
keiner der Klasse hätte sich alles so schön vorgestellt. Als wir ein letztes Mal als geschlossene Klasse das Alexander-Stift besuchten, waren wir sehr erfreut über unser Werk.
Wir sahen in sehr glückliche Auge n der Heimleiterin Frau Nickel.
Besonders danken möchten wir Frau Vanoni. Sie besitzt die Apotheke am Obstmarkt in Backnang und hat unser Projekt finanziert. Ohne ihre Hilfe hätten wir unser Vorhaben nicht in die Tat umsetzen können.

Wir wünschen den Bewohnern des Altenheims, den Familien und den Mitarbeitern viel Spaß an dem neu gestalteten Flur.
  
 
Projekte zu „Schüler helfen Menschen“ überzeugten die Jury:
Eduard-Breuninger-Preis für sozialen Einsatz feierte Premiere
Der Start ist wahrlich gelungen!

Erstmals wurde an der Eduard-Breuninger-Schule der gleichnamige Preis für soziales Engagement vergeben.

Seit März verwirklichten drei Gruppen ihre Projekte, alle drei Teams arbeiteten mit Senioren zusammen. Mehrere Hürden mussten bewältigt werden. So kämpften sich die Jugendlichen bereits zu Beginn des Jahres durch eine Qualifikation, da der von der Breuninger GmbH bereit gestellte Betrag von 1750 Euro auf drei Projektgruppen entfallen sollte.

Eine zehnköpfige Jury musste nun über die Rangfolge und über die Verteilung des Betrages entscheiden.

von links nach rechts: Frau Dr. Helga Breuninger, Schulleiter Nonnenmacher, Frau Bühler-Hajverov, Frau Peckhaus

Der Jury gehörte die Urenkelin Eduard Breuningers, Dr. Helga Breuninger an, welche extra aus Berlin anreiste. Schulleiter Nonnenmacher, mit Frau Peckhaus und Frau Bühler-Hajverov zwei Vertreterinnen der Breuninger GmbH, Lehrer sowie die Vertreterinnen der Schüler und der Eltern galt es zu überzeugen.

Dies gelang, da alle beteiligten Schüler ihre Projekte ernst nahmen und über ihre Erlebnisse sehr anschaulich und nachfühlbar berichteten.

Dem Publikum und der Jury wurde ersichtlich, dass eigentlich alle drei Gruppen mit einer zentralen Frage zu tun hatten:

Wie können wir Menschen helfen, was können wir als Schüler überhaupt Gutes tun? – vor dieser Hürde standen alle am Anfang.

Beeindruckende Antworten fanden sich, über die bereits in der BKZ berichtet wurden: Schüler der Berufsfachschule für Büro und Handel im Abschlussjahr boten in Kooperation mit dem Seniorenbüro Backnang einen mehrtägigen Computerkurs an, eine Klasse des Berufskollegs gestaltete einen Flur im Seniorenheim Alexander-Stift in Allmersbach mit Farben und Motiven und der evangelische Religionskurs der Wirtschaftsgymnasiasten im 11. Schuljahr entwarf einen Fotokalender mit den Bewohnern des Altenheims im Staigacker.
  
 

Kein Vorhaben ist ohne eine Zielsetzung zu verwirklichen, hier zeigten sich deutliche Übereinstimmungen, aber auch Unterschiede zwischen den Schülergruppen:

Man wollte den älteren Menschen eine Freude machen, mitunter Kenntnisse vermitteln, etwas auf die Beine stellen, das im Gedächtnis bleiben soll, es sollte ein Miteinander zwischen den Generationen geben.

Dass es mehr als nur eine Abwechslung zum Alltag wurde, ahnten womöglich nur wenige der Beteiligten. Es sind „unsere Omas und Opas“ geworden, so ein Schüler der BFBH bei der Präsentation.

Man habe voneinander gelernt, sei sich mit Respekt begegnet und wolle nun „den Kontakt nicht abreißen lassen“. Beeindruckend die emotionale Nähe, mit denen die Bewohner des Altenheims im Staigacker sich an ihren Lieblingsorten von den Schülern fotografieren ließen, sich für einen Fotokalender umzogen und in Pose setzten. So viel private Nähe überraschte die Schüler. Wohltuend ist die Gewissheit, dass die gemalte „Vier-Jahreszeiten-Landschaft“ im Alexander-Stift stets das Gemüt der Betrachter erhellen wird und die Namen der künstlerisch tätigen Schülern sich auch an den Wänden befinden.

 

Das Selbstbewusstsein der Schüler wurde dadurch gestärkt, einem zunächst fremden,
aber nunmehr vertrauten Menschen Computerkenntnisse vermittelt zu haben,
so dass sich dieser in unserem High-Tech-Alltag besser zurecht finden kann.

„Ich habe in diesem Kurs mehr gelernt, als in anderen Kursen.
Es wurde mir von den Schülern alles so geduldig und genau erklärt!“ - wie mag es sich angefühlt haben, diese lobenden Worte von Senioren zu hören, die dies bei der Präsentation auf der Bühne der Jury ins Gesicht sagten?

   

 
Im Rückblick war es manchmal auch ein hartes Stück Arbeit,
da es auch galt, Unstimmigkeiten in den Projektgruppen auszuräumen, Durchhaltevermögen zu zeigen.

Die eigene Freizeit wurde in zwei Teams geopfert, eigene Erwartungshaltungen und Zielsetzungen mussten korrigiert,
das Verhalten stets hinterfragt werden.

„Kompromissbereit mussten wir sein“, niemand habe „sein eigenes Ding“ durchgezogen. Das „schlechte Bild der Jugendlichen in manchen Medienberichten“ sei wohl widerlegt worden, so ein Schüler des Berufskollegs.

  

 
Wie sollte die Jury hier einen „Sieger“ finden, wo es doch unter allen Beteiligten keine Verlierer gibt? Natürlich gab es manch Verbesserungswürdiges, doch dies sei der erste Durchlauf des Eduard-Breuninger-Preises, urteilte die Jury.

Gerecht habe man entschieden, ganz im Sinne ihres Großvaters, so Frau Dr. Helga Breuninger.

Alle drei Gruppen erhielten von den Vertreterinnen der Firma Breuninger jeweils 500 Euro, einen einzigen Sieger hat dieser Wettbewerb nicht verdient.


Bezeichnend für den Charakter der Jugendlichen ist auch der Vorschlag der BFBH-Gruppe, einen Teil der „Siegerprämie“ spenden zu wollen - ohne bereits das Ergebnis gekannt
zu haben.

Die Entscheidung,
an wen gespendet werden soll, fiel nicht schwer:
das Seniorenbüro in Backnang wird die restlichen 250 Euro erhalten.
  
 
  
Was bleibt? Die beteiligten Gruppen haben gut vorgelegt, manches könne wieder gemacht werden, gar zu einem festen Bestandteil des Schullebens werden.

Der Eduard-Breuninger-Preis ist vorerst auf fünf Jahre festgelegt. Neue Schüler werden im
zweiten Wettbewerbsjahr auf andere Ideen sozialer Projekte kommen.

So wie die Premiere lief, darf man gespannt sein…
  
 
Presseveröffentlichung                                                                              Backnanger Kreiszeitung vom 9. April 2010
 
    
Schüler vergeben „Computerkurs-Diplom“ an Senioren

Ein Projekt im Rahmen des Eduard-Breuninger-Preises
für soziales Engagement unserer Schüler

   

Den Umgang mit dem Computer haben
14 Senioren bei
einem Computerkurs an der Eduard-Breuninger-Schule
in Backnang gelernt.
  
  
Das Besondere daran: Ihre „Lehrer“
waren 8 Schülerinnen und Schüler der Berufsfachschule für Büro und Handel.
  

  
Für die Schüler ist es ein Projekt im Rahmen des Eduard-Breuninger-Preises, der für soziales Engagement ausgelobt wurde.

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... großes Bild bitte klicken
Als vor ein paar Monaten die Schülerinnen und Schüler der BFBH 2 in Backnang einen Computerkurs für Senioren anboten, stand das Telefon beim Seniorenbüro der Stadt Backnang nicht mehr still. Innerhalb kürzester Zeit war der Kurs ausgebucht und viele Interessenten mussten aufgrund der großen Nachfrage auf die Warteliste genommen werden. Diejenigen, die am Kurs teilnehmen konnten, waren motiviert und mit Feuereifer bei der Sache, egal ob es sich um das formvollendete Schreiben eines klassischen Geschäftsbriefes nach DIN 5008, das Erstellen eines Flyers oder – ganz praktisch – um die Gestaltung einer Geburtstagskarte handelte.

Am Ende ihrer letzten Unterrichtsstunde bekamen sie nun ihr „Computerkurs-Diplom“ überreicht.
  
Für die Schüler war es eine ganz neue Erfahrung:
  
Sie übernahmen nun die Rolle des Lehrers und konnten ihr während der letzten anderthalb Jahre im Fach Textverarbeitung erworbenes Wissen an ihre etwas reiferen „Schüler“ weitergeben.
  
Unterstützt wurden sie hierbei von ihrer Lehrerin Songül Kaplan.
Älteste „Schülerin“ war mit 83 Jahren eine Backnangerin, die am liebsten gleich noch einen weiterführenden Kurs anhängen würde.
 
Gruppenbild groß: bitte auf das Bild klicken!
Bilder und Text: Gerline Schaal   
 
Presseveröffentlichung                                                                              Backnanger Kreiszeitung vom 25. März 2010

  
„Folge den Rattenfängern nicht...
...es sei denn, du zählst dich zu den Ratten“

– Menschenrechte sind das Thema von Sergio Vesely und Urs Fiechtner -

Es war faszinierend und beklemmend. Der Schriftsteller Urs Fiechtner referierte und las aus seinen Büchern zum Thema Menschenrechte. Der chilenische Sänger Sergio Vesely sang eindringliche Lieder.
Man hätte eine Stecknadel fallen hören können in der Aula des Beruflichen Schulzentrums.
Die war voll besetzt mit Oberstufenschülern.

   

Von Thomas Roth

BACKNANG. Rasch, pointiert und mit zum Teil schneidender Stimme spricht Fiechtner zu den jungen Menschen. Dass die Charta der UN nur etwa vier Prozent der Deutschen bekannt ist. Dass viele Menschen nichts von der Passage im deutschen Grundgesetz über die Unantastbarkeit der Menschenwürde wissen. Und Fiechtner moniert die weit verbreitete Unwilligkeit, sich mit diesem Thema überhaupt zu beschäftigen. Er selbst bezieht seine Erkenntnisse weniger aus am eigenen Leib erfahrenen Erlebnissen, sondern vielmehr aus Zeugenaussagen von Opfern und Tätern. Das ist bei seinem Bühnenpartner Sergio Vesely ganz anders. Dieser verbrachte 22 Monate seines Lebens in Gefängnissen, Gefangenenlagern und KZ-ähnlichen Einrichtungen. Er hatte sich in seinem Heimatland Chile als Jugendlicher und junger Erwachsener sozialistischen Gruppierungen angeschlossen, was Mitte der 1970er-Jahre nach dem Sturz Allendes bei Pinochets Militärjunta nicht besonders gut ankam.
   
Urs Fiechtner

Melancholische Lieder und deutliche Worte über den Irrsinn von Gewaltherrschaften: Der chilenische Sänger Sergio Vesely und der Schriftsteller Urs Fiechtner gaben im Beruflichen Schulzentrum in Backnang ein berührendes Gastspiel.   Fotos: E. Layher
  
 
 
Die eigentliche Gefahr für die Mächtigen, so Fiechtner sinngemäß, geht von denen aus, die aus der Menge heraustreten und ihre Meinung verteidigen. Poetischer und drastischer singt Vesely: „Die Völker retten sich aus der Kraft, die hervorströmt aus all ihren Toten.“ Und auch die Macht des geschliffenen Worts, die von nicht wirklich legitimierten, diktatorischen Regimen am meisten gefürchtete Waffe der Unterdrückten, ist Thema in einem der Lieder: „Wollen sie die Hand mir binden, weil sie die Feder schwang?“ Der Autor aber warnt vor den propagandistischen Mitteln der Verführung: „Folge den Rattenfängern nicht, es sei denn, du zählst dich zu den Ratten.“
  
Den für diese Veranstaltung Verantwortlichen ist ein brillanter Coup gelungen.
Sie haben das Thema Menschenrechte in die Schule gebracht.
Kunstvoll, informativ, analytisch, beeindruckend.
 
Ob es die Schüler schätzen?
Ein kleiner Kreis sprach mit den beiden Künstlern im Anschluss über Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden,
ohne sich von Institutionen oder Lobbyisten instrumentalisieren zu lassen, und über vieles mehr.
   
Dieser „kleine Kreis“ wollte Urs Fiechtner und Sergio Vesely gar nicht mehr aus dem Schulgebäude lassen.
Bücher zum Thema können in der von Christiane Engelmann-Pink geleiteten Bibliothek ausgeliehen werden.
Zum eigenen Dranbleiben.

  
 
Presseveröffentlichung                                                                              Backnanger Kreiszeitung vom 16. März 2010
  
Flamenco-Künstler überzeugten


- andalusisches Lebensgefühl durchströmt die Schulaula -

  
Nichts war mehr zu spüren von der Kälte des Winters. Die Sonne Spaniens war zum Greifen nahe, Lebenslust und Freude schwappten auf die jugendlichen Zuschauer über.

Der international bekannte Flamencogitarrist Antonio Andrade
und der Sänger
José Parrondo
boten über 100 Spanischschülern
der
Eduard-Breuninger-Schule die Möglichkeit, in die Welt des Flamenco einzutauchen.

Die Tänzerin Suzan Bustani vermittelte mit ihrer enormen Ausdrucksstärke die inhaltlichen Akzente der Liedtexte und zeigte, wie impulsiv und dennoch subtil Gesten und Mimik eingesetzt werden können.

Fotos: Bernd Haller  

Der Flamenco ist für viele Schüler gleichbedeutend mit Spanien.
  
Dieses Verständnis muss verfeinert werden
und hier setzte das Trio an:
sie verstehen sich als Botschafter einer sehr alten Gesangskunst, die sich über Jahrhunderte hinweg in der armen Bevölkerungsschicht Andalusiens entwickelte.
  
Dass hierbei mannigfaltige Einflüsse, etwa durch Araber und Juden, das heutige Erscheinungsbild des Flamenco prägten, konnten die Interpreten sehr anschaulich erläutern.
 
Landeskunde zum Anfassen – Sehen und Hören einer südspanischen Lebenseinstellung. „Witzig und mitunter ironisch“ seien die Menschen in Cadiz, einem Ursprungsort des Flamenco.
  
Dies betonten Andrade und Parrondo
und zeigten hiermit auch,
dass der Flamenco ein breites Spektrum an Textinhalten bietet – von Sinnlosem bis Politischen,
eben in Gesang und Tanz geformtes Lebensgefühl
von Randgruppen.

Natürlich habe der Flamenco folkloristische Elemente,
doch zeigte sich nichts Verstaubtes am Gesang und am Tanz.
 
Gefühle sind zeitlos, das Ausdrücken authentischer Stimmungen ein Grundsatz des Flamenco.

   
Freude und Leichtigkeit versprühten die „Alegrías“,
die auch im bunten Kleid der Tänzerin
ihren Ausdruck fanden.


Das rhythmische Klatschen und die ausgeprägten Handgesten Parrondos untermalen die Absicht, Freude, Lust und auch Schmerzen förmlich anzuzeigen und der Gitarre ein
„weiteres klangliches Element hinzuzusetzen“.
      
Das wirkt: der Funke sprang auf die interessierten Schüler über, die auch das Gespräch mit den Künstlern suchten.

Für die Spanischschüler
des kaufmännischen Gymnasiums
war besonders der Sprachenmix interessant:

Parrondo, der in Sevilla geboren ist, gab seine Erläuterungen auf Spanisch mit andalusischen Akzent,
  
  
Andrade hingegen, in Andalusien geboren und in Ludwigsburg aufgewachsen,
übersetzte für das Publikum und die Fragen aus diesem
für seinen Partner.
  

     
Die Künstler sind international bekannt
und sind nun bereits
- neben Auftritten in den USA und in Japan -
zum zweiten Mal im Schulzentrum aufgetreten.
  
Dies ist besonders den Spanischlehrerinnen
der Gymnasiasten
zu verdanken, die es auch damit schaffen,
Spaß am Sprachenlernen zu haben.
  
  
„Ihr macht im Unterricht nichts falsch,
wenn ihr nur wenig versteht“,
beruhigte Andrade die Schüler,
Parrondo spreche sozusagen Bayrisch auf Spanisch.

 
 
 
 
Presseveröffentlichung                                                                              Backnanger Kreiszeitung vom 5. Februar 2010
 

   

 
Flammendes Plädoyer für Europa
 

05.02.2010   Erwin Teufel ist überzeugt: Die vielen Partnerschaften von
Städten und Gemeinden tragen zu einem lebendigen Europa bei. Foto: E. Layher

    

Für Ex-Ministerpräsident
Erwin Teufel ist die EU eine Friedensgemeinschaft.

Neue Verfassung behebt die Fehler der ersten Stunde



Es war ein flammendes Plädoyer
für Europa, das die Schüler der Eduard-Breuninger-Schule gestern Nachmittag zu hören bekamen.

Überzeugend und überzeugt vorgetragen vom früheren Ministerpräsidenten Erwin Teufel.

 

 

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. „Europa in eine bessere Verfassung bringen“ – üblicherweise verirrt sich kein Teenager in einen Vortrag mit solch einem Titel. Doch gestern ist die Aula im Berufsschulzentrum knackig voll. Der Name Erwin Teufel zieht. Und der Beifall nach 90 Minuten und das muntere Nachhaken der Schüler in der Fragerunde verdeutlichen:
Die Erwartungen vieler Zuhörer sind erfüllt worden. In großer Regelmäßigkeit haben die Völker Europas Kriege gegeneinander geführt. Der Normalfall war, dass aus jeder Nachkriegszeit wieder eine Vorkriegszeit wurde. „Kontinent der Gewalt“, so lautet ein wenig schmeichelhaftes Attribut. 48 Kriege sind Teufel zufolge seit dem Westfälischen Frieden geführt worden. Er versuchte, die Schüler für die Größe des Blutzolls etwa im Zweiten Weltkrieg zu sensibilisieren. „Wir sind versucht, diese Zahlen als Statistik zu sehen. Aber da sind 50 Millionen einzelne Menschen – wenig älter als Sie – ihren ganz persönlichen, vorzeitigen Tod gestorben.“ Zwar sagt man, die Menschen lernen nichts aus der Geschichte, aber seit 1945 konnte der Teufelskreis der Gewalt in Europa unterbrochen werden. Es wächst die dritte Generation heran, die keinen Krieg erlebt hat. Für Teufel ist Europa eine Friedensgemeinschaft. Und er wirbt für sie. „Weil ich will, dass Ihre Kinder in Frieden aufwachsen. Weil ich will, dass Frieden der Normalfall und nicht die Ausnahme ist.“ Aber trotz dieser einzigartigen Friedenszeit genießt Europa in Deutschland nur eine Zustimmung von 47 Prozent. Und so fragt der alte Polithase und Philosoph: „An was liegt es?“ Es gibt für den CDU-Mann nur einen Grund: Europa ist ein fernes Gebilde in Brüssel, das keiner kennt. Die europäische Gesetzgebung, die inzwischen großen Einfluss auf den Alltag der Bürger hat, findet hinter verschlossenen Türen statt. Während Teufel zugibt, für die großen Probleme der Welt kein Patentrezept zu haben, glaubt er, ein solches für das Akzeptanzproblem der EU zu besitzen: Die Lösung lautet: Subsidiarität. „Wir müssen den Staat von unten aus denken. Die wichtigste Einheit ist die Gemeinde, sie ist am nächsten bei den Bürgern.“ Was sie nicht regeln kann, soll der Kreis richten, was jener nicht kann das Land. Und Europa sollte nur für all jene Aufgaben zuständig sein, die ein Land nicht selbst stemmen kann – Verteidigung, Binnenmarkt, gemeinsame Währung. „Wenn Europa bei einer Weltwährungskonferenz mit 27 Stimmen spricht, zählt es gar nichts. Wenn Europa mit einer Stimme spricht, dann wird niemand an den Interessen Europas vorbeigehen.“

Teufel rief den Schülern den Lissabonner Verfassungsvertrag, dessen veränderte Form seit zwei Monaten gilt, ins Gedächtnis. Mit ihm sollen die Geburtsfehler der Europäischen Gemeinschaft behoben werden. So müssen künftig das Europäische Parlament und der Europäische Rat öffentlich tagen. Der Mann aus Spaichingen ist überzeugt, dass durch die öffentliche Beobachtung „50 Prozent des Unsinns, der bislang aus Brüssel kommt“, wegfällt. Ohnehin sei der Europäische Rat das reformbedürftigste Gremium. Einer seiner Fehler wurde mit der Reform bereits behoben: die halbjährlich wechselnde Präsidentschaft, die jegliche Kontinuität verhinderte. Nun gibt es einen hauptamtlichen Ratspräsident und einen Außenminister. Amtszeit: zweieinhalb Jahre.


Reformiert wurde auch ein anderer Punkt: Bisher mussten Beschlüsse einstimmig fallen. Als nach dem Weltkrieg die Vereinigung aus sechs Ländern bestand, war dies kein
großes Problem.

Heute sprechen 27 Nationen mit,
„die Einstimmigkeit funktioniert nicht mehr“. Teufel erklärte den jungen Zuhörern die neue Regelung.
Für eine Entscheidung müssen 55 Prozent der Staaten stimmen, und diese müssen 65 Prozent der Bürger repräsentieren. Laut Teufel eine sehr durchdachte Lösung. „Die größten vier Staaten alleine erfüllen das Quorum ebensowenig wie alle kleinen zusammen.“

Mit der neuen Verfassung verbessert sich zwar vieles, da ist sich der 70-Jährige sicher. „Aber ich glaube nicht, dass wir damit die Herzen und Köpfe der Bürger erreichen.“
Aber genau dies ist für ihn wichtig.
Deshalb fordert er ein gelebtes Europa.
Früher wurde der Jugend Hass gepredigt, die Folge waren Kriege. Heute verstehen sich viele Europäer prächtig, „ein Krieg zwischen Deutschland und Frankreich ist undenkbar“.

Das ist für Teufel auch das Ergebnis der vielen Partnerschaften zwischen Städten und Gemeinden. Über 400 Partnerschaften gibt es alleine in Baden-Württemberg. Viele Bürger, Studenten und Schüler praktizieren den Austausch. „Denn wer sich kennt, der schießt nicht aufeinander.“

 
 
Presseveröffentlichung                                                                              Backnanger Kreiszeitung vom 1. Februar 2010
    

   

 

01.02.2010

Morgens um 4 Uhr holen die Frauen Wasser

Kontakt mit dem Armenhaus Brasiliens: Religionslehrer Albert Schwenger zeigt im beruflichen Schulzentrum Fotos aus Pilao Arcado

Seit rund 35 Jahren steht Albert Schwenger mit den Menschen in Pilao Arcado, einer kleinen Stadt im Nordosten Brasiliens, in Kontakt. Mehrfach hat der Religionslehrer die Gegend besucht. Jetzt ist im beruflichen Schulzentrum eine Fotoausstellung über den Alltag in der ausgedorrten Region zu sehen.

Von Claudia Ackermann

BACKNANG. Morgens um 4 Uhr brechen die Frauen auf, um Wasser zu holen. Etwa um 14 Uhr kommen sie zurück, einen 15- oder 20-Liter-Wasserkanister auf dem Kopf balancierend. Dann geht es wieder los, um Holz zu sammeln, damit es am Abend eine warme Mahlzeit geben kann, wenn die Männer von der harten Arbeit auf den ausgetrockneten Feldern kommen. – So beschreibt Albert Schwenger das Leben in Pilao Arcado, einer Stadt im Bundesstaat Bahia, dem „Armenhaus Brasiliens“.

Schwenger, der fast 40 Jahre lang Religionslehrer am beruflichen Schulzentrum Backnang war und vor einem Jahr in den Ruhestand verabschiedet wurde, kam schon früh in Kontakt mit dem brasilianischen Städtchen. Denn drei seiner Schul- und Studienkollegen von der philosophisch-theologischen Hochschule gingen als Pfarrer in diese Region. Von Deutschland aus unterstützte er sie, indem er etwa 1992 ein Hilfsprojekt der katholischen Kirchengemeinde Weissach im Tal und Allmersbach im Tal vermittelte. Im Jahr 1995 reiste er erstmals nach Brasilien und baute dort als Gastgeschenk einen Solar-Ofen zum Kochen.

„Es war kurios, die Baumaterialien zusammen zu bekommen“, berichtet er bei der Vernissage in der Aula der Eduard-Breuninger-Schule. Aber es hat geklappt. Schwenger setzt sich dafür ein, dass Geld zusammenkommt, um Zisternen zu finanzieren, die den Menschen den Alltag erleichtern. Jahrelang organisierte er Kleidersammlungen in der Gemeinde Weissach im Tal.

Seine Fotos im beruflichen Schulzentrum in den Gängen vor der Aula sind bei seinem Aufenthalt in Pilao Arcado 2007 entstanden. Schulleiter Herbert Nonnenmacher eröffnete die Vernissage. Es ist das erste Mal, dass in der Schule eine öffentliche Ausstellung, über Schülerarbeiten hinaus, stattfindet. Für die musikalische Umrahmung sorgten die Schüler Anja Strohhäcker (Gesang), Alena-Marei Hölzl (Klavier), Yannik-Noah Hölzl (Cajon und Djembe) und die Musiklehrerin Anette Hölzl (Querflöte) mit spanischen und kubanischen Weisen.

Eindrucksvoll sind die Bilder der Menschen in Pilao Arcado. Man blickt in von Sonne ausgemergelte Gesichter von Greisen, die jedoch trotz aller ärmlicher Lebensumstände Freundlichkeit und Lebensmut ausstrahlen. Bilder zeigen den Kindergarten, in dem die Kleinen beim Mittagsschlaf Seite an Seite auf dem Boden liegen. Ohne die Verköstigung in dieser Einrichtung würden wahrscheinlich viele von ihnen schon verhungert sein, weiß Schwenger von seinem Studienkollegen. Bei seinem ersten Besuch wurden in der Kindertagesstätte rund 100 Jungen und Mädchen betreut, bereits 270 sind es heute. Trotz dem Blick in so manch strahlendes Kindergesicht, beschönigt die Fotoausstellung nichts. Karg und ausgetrocknet ist das Land.

Die Ziegenweide weist nur ein paar armselige, grüne Haine auf rissigem Lehmboden auf. Marktszenen zeigen Petroleumlampen, die aus Konservendosen gefertigt wurden. Strom gibt es nicht. Und immer wieder geht es um das Hauptthema in dieser trockenen Region - das lebensnotwendige Wasser. Händler ziehen mit Fässern auf Eselskarren durch die staubigen Straßen. Ein Kind darf sich im Pfarrhaus ein Glas Wasser nehmen, aber nur eines, damit für andere auch etwas bleibt, erläutert Schwenger beim Rundgang durch die Ausstellung: „Schauen Sie sich die Gesichter auf den Fotos an. Ich glaube, wir können von ihrer Frohnatur etwas lernen.“

Die Fotoausstellung mit insgesamt 160 Einzelbildern in 22 Rahmen kann man noch bis zum 30. April während der Öffnungszeiten des beruflichen Schulzentrums besichtigen.

 

 




Hat seit rund 35 Jahren Kontakt zu Menschen in Pilao Arcado: Religionslehrer Albert Schwenger,
der seit einem Jahr im Ruhestand ist. Foto: A. Wahl

 
 
(c) 2010     Eduard-Breuninger-Schule Backnang (Kaufmännische Schule)